Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Fragebogen’

Seit einigen Wochen gibt es im Wirtschaftsteil der Zeit den Öko-Fragebogen, zum Beispiel mit Gabriele Strehle. Dort werden Prominente über ihr Konsumverhalten und ihr ökologisches Bewusstsein ausgefragt. Und überraschenderweise fallen die meisten Antworten auch ziemlich ehrlich aus – besteht doch die Gefahr, dass das Ganze zu einem großen Selbstdarstellung-greenwashing-Ding wird.

Jede und jeder bekommt den selben Fragenkatalog vorgelegt, und zwar:

  1. Warum sind Sie ökologisch ein Vorbild?
  2. Wer ist ihr ökologisches Vorbild?
  3. Was wollen Sie in einem Jahr anders machen?
  4. Was machten Sie vor einem Jahr noch anders? Und was bewog Sie, Ihr Verhalten zu ändern?
  5. Welches Verhalten in Ihrem Bekanntenkreis lehnen Sie ab?
  6. Erziehen Sie Ihre Kinder zu einem bewussten Umgang mit der Natur?
  7. Schämen Sie sich für umweltschädigendes Verhalten?
  8. Was hindert Sie, umweltfreundlicher zu leben?
  9. Wie viele Flugmeilen und Autokilometer legen Sie pro Jahr zurück? Und gleichen Sie die verursachte Klimabelastung nachträglich aus?
  10. Welches wäre die wichtigste umweltpolitische Reform?
  11. Glauben Sie, wir schaffen die Wende, bevor uns das Klima richtig zu schaffen macht?

Die wöchentliche Lektüre hat zwei Effekte – zumindest bei mir: Viele der Antworten der Befragten sind inspirierend, wie wenn zum Beispiel zu erfahren ist, dass im Hause Strehle das Wiederverwertungsprinzip gilt. Und: Jede Woche gleiche ich die gedruckten Antworten mit meinen potentiellen eigenen Antworten ab. Wie konsumiere ich? Welchen Effekt hat das auf die Umwelt? Was habe ich schon geändert, was will ich noch ändern?

Inspiration gibt es nie genug. Und vielleicht sind die Antworten von Menschen wie dir und mir sogar spannender als die von Prominenten, die sich durch ihren Status auch einen entsprechenden Lebensstil leisten können. Deswegen – auch wenn so ein Steckbrief vermutlich eher eine dynamische Sache ist, die sich weiter und weiter verändert, eben weil sich auch das persönliche Konsumverhalten immer weiter verändert – interessiert ist mich: Wie sähe euer Fragebogen aus?

Mein – lückenhafter – Versuch hier:

1. Ich bin ökologisch weniger ein Vorbild als eine Plage. Weil ich mir Fakten und Zahlen über Verwertungsketten, Herstellungsmethoden und ähnlichem erstaunlich gut merken kann, wenn ich sie irgendwo lese. Und dann damit gern hausieren gehe. Nicht immer angenehm für andere Menschen.

3. Nächstes Jahr hätte ich gern einen Kompost. Wir haben keine braune Tonne, weil ich in einem Bürohaus wohne. Aber ich habe einen kleinen Garten. Und dort würde ich gern meine Küchenabfälle zu Erde recyclen.

4. Vor einem Jahr war ich noch bei den Münchner Stadtwerken, jetzt bin ich bei den Elektrizitätswerken Schönau. Bis dahin dachte ich immer, ich könnte mir Ökostrom nicht leisten. Dann habe ich beschlossen: Ich muss es mir leisten können,  ich sollte lieber noch ein bisschen mehr Strom sparen. Seitdem freue ich mich jeden Tag über meine Entscheidung, vor allem kann ich mich immer wieder über die geile Idee der Schönauer freuen, ihre eigenen Stadtwerke zu kaufen.

7. Ja, sehr.

8. Fehlende Kohlen. Am Ende des Monats reicht es dann eben doch nicht mehr immer für die Rewe-Käsetheke, sondern nur noch für das Stück Aldi-Käse. Bei Klamotten reicht es sowieso gar nicht für fancy Sachen von kleinen Labels, die selbst produzieren. Mein schlechtes Gewissen zwingt netterweise aber dazu, nur im Extremfall (z.B. keine Hose ohne Löcher mehr im Schrank) shoppen zu gehen. Früher, in Berlin, habe ich ausschließlich second hand gekauft, aber das ist in München so teuer wie neu kaufen, deswegen keine wirkliche Alternative.

9. Im Inland fliege ich gar nicht, einmal im Jahr nach London. Dann mit finanziellem Öko-Ausgleich, obwohl ich das eigentlich affig finde, weil es ja am Problem der Massenfliegerei nix ändert. Mit dem Auto fahre ich vielleicht 3.000 Kilometer im Jahr, mit dem Zug locker das fünf-, sechs-, siebenfache.

10. Ui, eine gefährliche Frage. Ich würde eigentlich jede radikalökologische Maßnahme befürworten: Atomkraftwerke weg, Benzin und Kerosin fett besteuern, 10 Millionen Solardächer für Deutschland etc. pp. Für eine kleine, aber sehr feine Maßnahme halte ich ein Verbot von Tetrapakplastikausgüssen. Was für eine Masse an Plastik da verballert wird, wo man doch auch einfach – wie früher – mit der Schere ein Ausgussloch in den Karton schneiden kann.

11. Darüber muss ich noch nachdenken. Erst mal aber: Ich will es doch sehr hoffen.

Read Full Post »