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Posts Tagged ‘Mutterglück’

Vor zwei Wochen druckte der Stern Fotos aus Jade Bealls Buch “The Bodies Of Mothers”. Ich fand die Fotos sehr beeindruckend, denn die strahlen eine schöne Wärme aus, gleichzeitig sind sie ehrlich, sie zeigen die Spuren, die eine Schwangerschaft hinterlassen kann – und die Frauen auf den Fotos erzählen genauso ehrlich, was diese Spuren bei ihnen auslösen. Zum Beispiel das Gefühl, nicht mehr im eigenen Körper zu wohnen. Oder Stolz, so etwas Unglaubliches geschafft zu haben wie ein Kind neun Monate lang wachsen zu lassen. Manche Frauen gehen gelassen mit den Veränderungen um, manche hadern – genau so, wie es wohl einfach ist, wenn man mit Müttern über ihr Körpergefühl nach einer Geburt spricht.

Jade Beall, The Bodies Of Mothers

Diese Woche nun erschienen im Stern drei Leserbriefe zu dieser Fotostrecke, einer von einem Mann, zwei von Frauen.

Der Brief des Lesers:
“Das sind Frauen, die unsere Zukunft mit Schmerzen auf die Welt gebracht haben. Wir brauchen keine Frauen mit Fettabsaugung, Silikonbrüsten und Botoxbehandlung. Die abgebildeten Frauen zeigen das wahre Leben und sind schön anzusehen.”

Vielleicht ein bisschen pathetisch, das mit der Zukunft und so, aber warum nicht – wenn man länger als eine Sekunde über das Ding mit dem Kindermachen und Kinderkriegen nachdenkt, dann ist das auch verdammt faszinierend und großartig und man kann vielleicht auch gar nicht zu pathetisch sein bei diesem Thema.

Dann aber die beiden Briefe der Leserinnen. Mich hat’s fast umgehauen.

Leserin Nr. 1 schreibt:
“Für Geld tut man ja vieles … Ich finde einige dieser Bilder eklig. Mutter und Kind, das Stillen, Intimität, das Besondere – alles weg, alles verdorben. Mal schauen, was die Kinder später dazu sagen.”

Und Leserin Nr. 2:
“Diese Frauen müssen aber zu einer ganz kleinen Minderheit gehören. Ich habe viele Freundinnen mit Kindern und bei keiner einzigen hat sich der Körper so negativ verändert. Ich selber habe meinen Sohn mit 41 bekommen und sah danach besser aus denn je. Dieser Artikel macht nicht gerade Mut, Kinder zu bekommen.”

Die Verachtung, die aus beiden Briefen spricht, finde ich schwer zu ertragen – gerade auch, weil völlig klar ist, dass es die ganz alltägliche Verachtung von Frauen anderen Frauen oder sich selbst gegenüber ist. Die eine unterstellt, das mit den Schwangerschaftsstreifen und Kuschelbäuchen müsse ja nun wirklich nicht sein, wenn man sich nur ordentlich im Griff hat, trainiert, diätet, was weiß ich. Die andere sagt ganz offen, die fotografierten Mütter würden für ‘ne schnelle Mark in Kauf nehmen, ihren Kindern psychischen Schaden zuzufügen.

Beide haben kein Problem, ihre Meinungen zusammen mit ihrem vollen Namen im Stern abgedruckt zu sehen, Leserbriefschreiberinnen und -schreiber werden von den Redaktionen stets auf diese Möglichkeit hingewiesen. Vielmehr müssen sie sich in ihrer Haltung so dermaßen sicher fühlen und so ganz und gar blind für ihre Verächtlichkeit sein, dass ich mich einfach nur frage:

Wann haben wir eigentlich aufgehört, anderen Frauen ein Mindestmaß an Respekt entgegenzubringen?

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(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 28. Februar.)

Für Anfang Mai hat sich ein Kind angekündigt, also brauchen der Mann und ich Babysachen. In einen Laden mussten wir dafür noch nicht, denn erstaunlicherweise kommen die Sachen zu uns: Freundinnen und Freunde, Schwestern und Kollegen schicken, schenken und leihen uns, was das Kind benötigt, um sich fröhlich und ausgiebig vollspucken zu können.

Nur ein einziges Mal geben wir etwas Geld aus: für einen Kinderwagen. Eine Bekannte des Mannes überlässt ihn uns für ein lächerliches Drittel des Neupreises – deswegen kommen wir nicht einmal ansatzweise auf die 1400 Euro, die Eltern heutzutage im Schnitt für die Erstausstattung ihres Kindes ausgeben. Ich bin dankbar dafür, denn meine Vorstellung vom Kinderhaben hat wenig mit Selbstverwirklichung durch Babyausstattungskonsum zu tun.

Als wir den Kinderwagen abholen, sitzen wir Tee trinkend in der Küche der Bekannten und sie gibt zu, wie schwer sie sich von ihm trennen kann, er sei für sie mehr als nur ein Kinderwagen. Die Bekannte ist alleinerziehend, „mein Mann und ich haben uns noch in der Schwangerschaft getrennt“, sagt sie. „Ich zog in eine neue Stadt und fing einen neuen Job an. Für den ich ständig reisen musste, was ich dann meistens mit meiner Mini-Tochter, Koffer und Kinderwagen unterm Arm tat. Der Wagen ist so leicht, praktisch, einfach auseinanderzunehmen und so fröhlich-orange – in dieser Zeit war ich sowieso immer den Tränen nahe, da war ich froh, wenigstens nicht wegen irgendwelcher Treppen heulen zu müssen.“ Sie lacht über sich selbst und sagt dann: „Mit dem Kinderwagen war alles leichter, ich hatte manchmal das Gefühl, der Bugaboo ist mein Lebensretter.“

Richtig, ein Bugaboo. Vor ein paar Tagen hätte ich noch jedem einen Vogel gezeigt, der mir prophezeit hätte, dass wir uns so ein Ding anschaffen. Als der Mann das böse Wort zum ersten Mal erwähnte, fiel es mir schwer, ihm überhaupt zuzuhören, denn in meinem Kopf ging eine große, mit Manufaktum-Einlegepapier ausgekleidete Schublade auf und darin sah ich mich sitzen, als Bugaboo-Mutter. Die ihre Nachmittage auf Spielplätzen verbringt und dort mit anderen Bugaboo-Müttern die Vorteile von Petit Bateau-Wäsche diskutiert – den Coffee-to-go lässig im Kaffeebecherhalter des Kinderwagens. Die mit Anbruch der Elternzeit beschließt, für das Wohl des Kindes ihren Job ganz aufzugeben; der Mann muss dann eben mehr arbeiten, um das zu finanzieren. Ich dachte wirklich nicht einen netten Gedanken, nachdem das Reizwort „Bugaboo“ gefallen war.

Aber plötzlich, in der sympathisch verkruschten Zweiraumwohnung der Bekannten, ist es mir egal, wer diesen Kinderwagen hergestellt hat. Ich will diesen Wagen, mit dieser Geschichte, von dieser Frau, die ich ab und zu beruflich treffe und jedes Mal beeindruckt bin, wie souverän sie ihren Job macht.

Wir nehmen den Bugaboo mit nach Hause und mit ihm die Erkenntnis, dass ich manchmal abartig vorurteilsbeladen bin. Ganz werde ich meine Bugaboo-Abneigung nicht ablegen können, weil mir in meinem Viertel täglich die Mütter mit ihren großen Sonnenbrillen und schwarzen Babyporsches begegnen. Aber ich bin stolz, die Besitzerin dieses einen speziellen Bugaboos zu sein. Von drinnen sieht die Schublade erstaunlich anders aus als von außen.

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Ein Video und drei schnelle Lesetipps des vergangenen Monats:

Eins: “The Colour of Beauty” von Elizabeth St.Philip erzählt vom Rassismus in der Modeindustrie, davon wie schwer es dunkelhäutige Models haben, wenn die meisten Firmen weiße Frauen als Standard ansehen und dunkle Models nur dann buchen, wenn sie aussehen “wie Weiße in Schokolade getaucht”.

Zwei: Matthew Evans fragt im Freitag: “Und was tragen wir morgen?” Er kommentiert die verzweifelte Suche nach Modetrends mit dem schönen Satz “Mut ist nicht mehr besonders rebellisch, wenn er schon sieben Monate vorher vorprogrammiert wurde.”

Drei: Das Ms Magazine stellt der US-Modekette Forever21 die Frage, ob sie nicht mit ihrer Umstandsmodelinie Teenagerschwangerschaften als etwas Normales oder sogar Schickes propagiert.

Vier: Eine Abrechnung zum kulturellen Einfluss von Barbie:

While it is true that Barbie is more complex than the Bratz (the googly-eyed dolls with a “passion for fashion”) and has had at least 125 jobs over the last half-century (…) Barbie is not defined by her career (…). She is a timeless beautyicon. Period.

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Diese Anzeige auf der hinteren Umschlagseite des letzten New Yorker hat mich in ihren Bann geschlagen:

Für die Kurzsichtigen unter uns: Da steht “A Tiffany Celebration Ring captures your feelings, for all time”

Und da fangen die Fragen schon an: Wo genau ist der Zusammenhang zwischen Ring und Baby? Soll der Ring die Mutter daran erinnern, dass sie sich über das Baby freut – oder mal gefreut hat? Oder dass sie überhaupt ein Kind hat (ist ja schnell mal an der Obsttheke vergessen)? Braucht man einen Ring, um der Welt zu zeigen, dass man eine liebende Mutter ist? Stehe ich dem Prinzip des endlosen Konsums zu kritisch gegenüber, wenn ich waghalsig behaupte, man kann sich auch ohne Diamantring an seine Gefühle erinnern?

Oder ging hier einfach was bei Photoshop schief und statt des Babys sollte dort eigentlich der Mann in den Armen der Frau liegen, der ihr diesen Ring zur Verlobung / Eheschließung resp. zum Valentinstag / einfach aus Bock geschenkt hat? (Wobei auch das wieder ähnliche Fragen wie oben aufwerfen würde.)

Ich steig nicht durch. Helft mir.

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