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Posts Tagged ‘Mutterglück’

(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 28. Februar.)

Für Anfang Mai hat sich ein Kind angekündigt, also brauchen der Mann und ich Babysachen. In einen Laden mussten wir dafür noch nicht, denn erstaunlicherweise kommen die Sachen zu uns: Freundinnen und Freunde, Schwestern und Kollegen schicken, schenken und leihen uns, was das Kind benötigt, um sich fröhlich und ausgiebig vollspucken zu können.

Nur ein einziges Mal geben wir etwas Geld aus: für einen Kinderwagen. Eine Bekannte des Mannes überlässt ihn uns für ein lächerliches Drittel des Neupreises – deswegen kommen wir nicht einmal ansatzweise auf die 1400 Euro, die Eltern heutzutage im Schnitt für die Erstausstattung ihres Kindes ausgeben. Ich bin dankbar dafür, denn meine Vorstellung vom Kinderhaben hat wenig mit Selbstverwirklichung durch Babyausstattungskonsum zu tun.

Als wir den Kinderwagen abholen, sitzen wir Tee trinkend in der Küche der Bekannten und sie gibt zu, wie schwer sie sich von ihm trennen kann, er sei für sie mehr als nur ein Kinderwagen. Die Bekannte ist alleinerziehend, „mein Mann und ich haben uns noch in der Schwangerschaft getrennt“, sagt sie. „Ich zog in eine neue Stadt und fing einen neuen Job an. Für den ich ständig reisen musste, was ich dann meistens mit meiner Mini-Tochter, Koffer und Kinderwagen unterm Arm tat. Der Wagen ist so leicht, praktisch, einfach auseinanderzunehmen und so fröhlich-orange – in dieser Zeit war ich sowieso immer den Tränen nahe, da war ich froh, wenigstens nicht wegen irgendwelcher Treppen heulen zu müssen.“ Sie lacht über sich selbst und sagt dann: „Mit dem Kinderwagen war alles leichter, ich hatte manchmal das Gefühl, der Bugaboo ist mein Lebensretter.“

Richtig, ein Bugaboo. Vor ein paar Tagen hätte ich noch jedem einen Vogel gezeigt, der mir prophezeit hätte, dass wir uns so ein Ding anschaffen. Als der Mann das böse Wort zum ersten Mal erwähnte, fiel es mir schwer, ihm überhaupt zuzuhören, denn in meinem Kopf ging eine große, mit Manufaktum-Einlegepapier ausgekleidete Schublade auf und darin sah ich mich sitzen, als Bugaboo-Mutter. Die ihre Nachmittage auf Spielplätzen verbringt und dort mit anderen Bugaboo-Müttern die Vorteile von Petit Bateau-Wäsche diskutiert – den Coffee-to-go lässig im Kaffeebecherhalter des Kinderwagens. Die mit Anbruch der Elternzeit beschließt, für das Wohl des Kindes ihren Job ganz aufzugeben; der Mann muss dann eben mehr arbeiten, um das zu finanzieren. Ich dachte wirklich nicht einen netten Gedanken, nachdem das Reizwort „Bugaboo“ gefallen war.

Aber plötzlich, in der sympathisch verkruschten Zweiraumwohnung der Bekannten, ist es mir egal, wer diesen Kinderwagen hergestellt hat. Ich will diesen Wagen, mit dieser Geschichte, von dieser Frau, die ich ab und zu beruflich treffe und jedes Mal beeindruckt bin, wie souverän sie ihren Job macht.

Wir nehmen den Bugaboo mit nach Hause und mit ihm die Erkenntnis, dass ich manchmal abartig vorurteilsbeladen bin. Ganz werde ich meine Bugaboo-Abneigung nicht ablegen können, weil mir in meinem Viertel täglich die Mütter mit ihren großen Sonnenbrillen und schwarzen Babyporsches begegnen. Aber ich bin stolz, die Besitzerin dieses einen speziellen Bugaboos zu sein. Von drinnen sieht die Schublade erstaunlich anders aus als von außen.

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Ein Video und drei schnelle Lesetipps des vergangenen Monats:

Eins: “The Colour of Beauty” von Elizabeth St.Philip erzählt vom Rassismus in der Modeindustrie, davon wie schwer es dunkelhäutige Models haben, wenn die meisten Firmen weiße Frauen als Standard ansehen und dunkle Models nur dann buchen, wenn sie aussehen “wie Weiße in Schokolade getaucht”.

Zwei: Matthew Evans fragt im Freitag: “Und was tragen wir morgen?” Er kommentiert die verzweifelte Suche nach Modetrends mit dem schönen Satz “Mut ist nicht mehr besonders rebellisch, wenn er schon sieben Monate vorher vorprogrammiert wurde.”

Drei: Das Ms Magazine stellt der US-Modekette Forever21 die Frage, ob sie nicht mit ihrer Umstandsmodelinie Teenagerschwangerschaften als etwas Normales oder sogar Schickes propagiert.

Vier: Eine Abrechnung zum kulturellen Einfluss von Barbie:

While it is true that Barbie is more complex than the Bratz (the googly-eyed dolls with a “passion for fashion”) and has had at least 125 jobs over the last half-century (…) Barbie is not defined by her career (…). She is a timeless beautyicon. Period.

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Diese Anzeige auf der hinteren Umschlagseite des letzten New Yorker hat mich in ihren Bann geschlagen:

Für die Kurzsichtigen unter uns: Da steht “A Tiffany Celebration Ring captures your feelings, for all time”

Und da fangen die Fragen schon an: Wo genau ist der Zusammenhang zwischen Ring und Baby? Soll der Ring die Mutter daran erinnern, dass sie sich über das Baby freut – oder mal gefreut hat? Oder dass sie überhaupt ein Kind hat (ist ja schnell mal an der Obsttheke vergessen)? Braucht man einen Ring, um der Welt zu zeigen, dass man eine liebende Mutter ist? Stehe ich dem Prinzip des endlosen Konsums zu kritisch gegenüber, wenn ich waghalsig behaupte, man kann sich auch ohne Diamantring an seine Gefühle erinnern?

Oder ging hier einfach was bei Photoshop schief und statt des Babys sollte dort eigentlich der Mann in den Armen der Frau liegen, der ihr diesen Ring zur Verlobung / Eheschließung resp. zum Valentinstag / einfach aus Bock geschenkt hat? (Wobei auch das wieder ähnliche Fragen wie oben aufwerfen würde.)

Ich steig nicht durch. Helft mir.

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