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Posts Tagged ‘Kristina Schröder’

(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 23. April)

Kristina Schröders Werk „Danke, emanzipiert sind wir selber“ wurde auf allen Kanälen besprochen, ich habe es sogar gelesen – von Seite zu Seite mit wachsendem Erstaunen, dass sich da jemand, zumal eine Frauenministerin, mit solcher Verve an einem Klischee abarbeitet, das es so in der Realität gar nicht mehr gibt. Denn Schröder sieht den Feminismus als verbissene Ideologie, als Ansammlung von herrschsüchtigen Frauen, die allen anderen Frauen am liebsten einen Regelkatalog vorlegen würden, nach dem sie zu leben haben. Wann haben Sie zum letzten Mal eine derart stalinistische Feministin getroffen? Ich kenne keine.

Und ich bezweifle sogar, dass es sie in der Masse überhaupt jemals so gab – als Einzelpersonen vielleicht, Fundamentalisten gibt es in jeder Bewegung, aber die Masse der Frauenrechtlerinnen wollte einfach nur: notwendige gesellschaftliche Veränderungen. Dass sie andere, anders Gesinnte damit genervt haben mögen, kann ich mir gut und lebhaft vorstellen. Das ist heute nicht anders. Aber die Karikatur der biestigen Feministin wurde gezeichnet, um Frauenrechtlerinnen lächerlich zu machen und so auch andere Frauen davon abzuhalten, sich selbst diesem Spott auszusetzen.

Eine Ministerin, die sich schon qua Amt mit der Geschichte, den Höhen und Tiefen der Emanzipationsbewegung und ihren Gegnern beschäftigen sollte, müsste genau das eigentlich auch erkennen. Es sei denn, sie will es nicht sehen.

Ironischerweise fühle ich mich nun durch meine Frauenministerin ziemlich bevormundet, schreibt und sagt sie doch: Schluss mit dem Streit! Dabei ist Streit das einzige Mittel, das einem in einer Demokratie immer zur Verfügung stehen sollte. Nur durch Streit entwickelt sich eine Gesellschaft weiter. Was wäre das denn zum Beispiel bitte für ein Verteidigungsminister, der angesichts von Bundeswehreinsätzen und den Diskussionen darüber ein Buch veröffentlichte, dass nun endlich mal Schluss sein müsse mit der Debatte, ob Deutschland an diesem Krieg teilnehmen soll? Und der dieses Buch dann auch noch als rein private Angelegenheit verstanden haben will?

Kristina Schröders Buch wäre nur als Kündigungsschreiben glaubwürdig. In der Realität dagegen sind längst nicht alle Geschlechterfragen geklärt. Und nein: Nicht alle Feministinnen sind Moralterroristinnen. Der Feminismus, den man heute im Alltag begegnet, ist entspannt, streitlustig, kreativ. Er kämpft mit Argumenten, weil Tomatenwerfen heute nicht mehr helfen würde. Moderne Feministinnen schreiben genauso lustig-bissige Blogs, wie sie Petitionen unterschreiben. Sie setzen sich mit Politikerinnen und Politikern genauso zusammen wie mit Schülerinnen, die wissen wollen, warum Jungs mit vielen Freundinnen cool und Mädchen mit vielen Freunden Schlampen sind. Sie streiten für Kitaplätze genauso wie für mehr Väterrechte.

Meinetwegen ist der Feminismus nicht immer cool und nervt manchmal ungemein. Auch mich, wenn auch seltener als, sagen wir mal, die Frauenministerin. Aber vor allem er ist noch immer zu wichtig, als dass man ihn deswegen sein lassen könnte. Und jetzt: Schluss mit der Diskussion.

Dies ist die letzte Folge meiner Taz-Kolumne “Die Farbe Lila”.

Kristina Schröders Buch habe ich auch im Inforadio des RBB, im Tagesgespräch auf Bayern 2 und auf NDR Kultur kommentiert.

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(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 5. Dezember)

Seit Tagen liege ich als Matsch im Bett und warte darauf, gesund zu werden. Gestern ging es endlich bergauf, denn ich hatte unterhaltsame Lektüre: Den Vorschaukatalog des Piper-Verlags, in dem für April Kristina Schröders erstes Buch angekündigt wird. “Danke, emanzipiert sind wir selber!” heißt es. Sollte ich im April wieder krank sein, werde ich es mir kaufen; man hört doch ständig, Lachen sei die beste Medizin.

Schon der Vorschautext bringt das Zwerchfell zum Vibrieren: “Frauen sollen endlich frei entscheiden können, wie sie leben wollen”, steht dort. Angesichts ihres bisherigen Versagens im Kampf gegen fehlende Krippenplätze, unflexible Unternehmen und den deutschen Muttermythos ist dieser Satz von unserer Familien- und Frauenministerin schon reichlich – nun ja: interessant.

Klar sollen wir Frauen uns endlich frei entscheiden können. Nur: Was hat Schröder damit zu tun? Und dann gehts los. Erst mal schön provozieren, damit sich die 50.000 Bücher der ersten Auflage zackig verkaufen: “Feministinnen wie Alice Schwarzer und Strukturkonservative wie Eva Herman haben eines gemeinsam: Sie wissen genau, wie das richtige Frauenleben auszusehen hat. ,Hört auf damit!’, sagt Kristina Schröder. “Wir brauchen keine Rollendiktate.'”

Mal kurz nachdenken: Welches Frauenleben subventioniert die Politik noch mal? Es gibt das Ehegattensplitting und es soll in Zukunft hundert Euro Begrüßungs-, ach nein, Betreuungsgeld für Frauen geben, die für den Nachwuchs ihren Job aufgeben. Oder aufgeben müssen, weil das Kind, leider leider, keinen Betreuungsplatz bekommen hat oder weil der Platz mehr kostet als über eine Teilzeitstelle finanzierbar wäre.

Hm, eigentlich wären das doch auch Baustellen für eine Familienministerin. Vielleicht führt ja Schröders Biografie zu mehr Empathie? Die Werbung für ihr Buch macht klar: Nö. “Kristina Schröder hat Karriere gemacht und gerade ein Kind bekommen. Steht sie deshalb für ein Leitbild, an dem junge Frauen sich orientieren sollen? Nein, sagt sie, die Frauen von heute brauchen keine Leitbilder!”

Na gut, verrät uns wieder niemand, wie das mit Kind, Job, Liebe und Leben eigentlich hinhauen soll, erst recht nicht die zuständige Ministerin. Und, ähem, ich fände ein paar neue Leitbilder eigentlich ganz schön. Das einzige momentane Leitbild, die deutsche Supermutter, geht mir nämlich gewaltig auf die Nerven.

Am Ende des Piper-Vorschautextes suchte ich vergebens nach einem Ironie-Hinweis und wartete kurz, ob sich so etwas wie Verstehen bei mir einstellen wollte. Vielmehr musste ich lachen. Es ist ja auch zu absurd: Die meint das ernst. Klar, die meint ja auch die Herdprämie ernst. Ein Wort, bei dem ich immer nur mit dem Kopf auf die Tischplatte hauen möchte – was allerdings meinen gesundheitlichen Zustand eher verschlechtern würde. Und daran habe gerade kein Interesse.

Also lache ich lieber weiter und wünsche mir ganz ganz fest, dass Schröders Wahlfreiheit auch mich ereilt, vielleicht in Gestalt einer Zusage für einen Krippenplatz. Möglicherweise hilft Wünschen doch. Ist ja bald Weihnachten.

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(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 20. Juni)

Lasst mich in Ruhe!”, forderte Zeit-Redakteurin Ursula März vor Kurzem in einem Essay. “Ein emanzipiertes Subjekt hat keinen Gefallen daran, ohne Unterlass gemustert, beratschlagt, beurteilt, kurzum: gegängelt und bevormundet zu werden”, schrieb sie. Und ich denke mir: Ja, tatsächlich wäre eine Pausetaste für den Geschlechterdiskurs schön.

Feministin zu sein ist nämlich viel zu oft ziemlich scheiße; es ist anstrengend, nervig, frustrierend. Dem Klischee der frustrierten Emanze begegne ich nicht selten – meistens im Spiegel. Aber wie sollten Feministinnen auch nicht frustriert sein, wenn sich doch so ätzend wenig tut in Sachen Gleichberechtigung. Und bitte jetzt kein “Frauen ging es vor hundert Jahren viel schlimmer, es hat sich schon so viel getan”. Ich wills nicht hören, echt nicht. Ich will, dass mein Leben und das Leben von Frauen heute gut ist. Wirklich gleichberechtigt.

Zu allem Überfluss wird über die mit den emanzipatorischen Forderungen immer wieder diskutiert: Ist die überhaupt eine richtige Feministin? Denn: Wer sich Feministin nennt, bekennt sich offenbar nicht einfach nur zu bestimmten Werten, sondern muss sich einem ganzheitlichen Lebenskonzept verschreiben und dieses bitte bis ins verstaubteste Eck ihres Leben einhalten. Sie darf nicht die Stirn krausziehen, wenn die Waage wieder ein Kilo mehr anzeigt. Nicht “Germanys Next Topmodel” schauen. Sie muss den jüngsten Report von Terre des femmes oder Medica Mondiale lesen, anstatt “Bridget Joness Diary”. So etwas wie gut gepflegte guilty pleasures, die jeder Mensch für ein gesundes Ich braucht, sind für Feministinnen aber tabu – auf weniger als ein perfektes Emanzenleben steht die verbale Steinigung im öffentlichen Diskurs.

Das Schlimmste ist: Die größten Kritiker von Feministinnen sind andere Feministinnen. Zum Erscheinen des Buchs “Wir Alphamädchen” diskutierten Feministinnen jeglicher Couleur erst einmal, ob ich jetzt tatsächlich und überhaupt eine echte Feministin sei. Die meisten kamen zu dem Schluss: Auf keinen Fall! Zu mainstreamig, zu wellnessig, zu lebenslustig, gut gelaunt, zu leicht verständlich, zu jung – ganz einfach zu unpassend.

Zeit-Redakteurin Ursula März schreibt über Frauen: “Zu erleben, wie sie sich begegnen, sich gegenseitig belauern und bewerten, ist eine deprimierende Erfahrung. Man steht dabei und möchte rufen: Lasst los! Dies, diese Hysterie unfreier und unfreiwilliger Lebensplanwirtschaft, kann mit Feminismus ja wohl nicht gemeint gewesen sein.” Sie trifft damit mitten in die Problemzone des Feminismus.

Das gegenseitige Belauern der verschiedenen emanzipatorischen Strömungen ist fast schon so etwas wie das Markenzeichen des deutschen Feminismus. – “Entspannt euch!” will auch ich rufen. Und vor allem: “Ihr werdet doch alle gebraucht.” Manche gesellschaftliche Missstände werden sich mit Graswurzelarbeit beseitigen lassen, andere durch radikale Protestaktionen. Warum soll es nicht beides geben?

Ich verstehe Ursula März’ Ruf nach einer Pause im Geschlechterdiskurs gut – aber wenn meine “nur” sieben Monate Elternzeit dumm kommentiert werden, wenn ich sexistische Werbung sehe oder Familienministerin Kristina Schröder; dann hebt sich meine innere Faust: “Ursula, der Kampf geht weiter.” Tut mir leid.

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(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 28. März.)

Am Freitag war ich mit roter Tasche unterwegs, es war ja Equal Pay Day. An diesem Tag wird auf die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen hingewiesen, und die roten Taschen sind ein Symbol gegen rote Zahlen. Am Abend fragte ich mich, ob dieser Tag überhaupt was verändern kann.

Der Öffentlichkeit wurden mal wieder die üblichen Schlagwörter um die Ohren gehauen: Berufswahl, Teilzeit, Gehaltsvorstellungen, Erziehungs- und Pflegezeiten, Selbstbewusstsein und ein bisschen Diskriminierung. Der zuständigen Ministerin fiel zum Aktionstag nicht viel mehr ein, als dass die Frauen ja irgendwie auch selbst schuld seien, immerhin wählten sie die schlecht bezahlten Beruf.

Ich rief Freundin P. an. Sie ist Ingenieurin und geht damit genau der Art von Tätigkeit nach, die Frauen ans Herz gelegt wird, damit sich niemand mehr für die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern schämen muss. Sie erzählte mir eine kleine Geschichte: Vor wenigen Jahren bewarb P. sich in dem Unternehmen, in dem auch ihr Mann arbeitet.

Sie haben die gleiche Ausbildung und ihre Berufserfahrungen waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ähnlich. Freundin P. wurde zum Gespräch eingeladen und nach ihren Gehaltsvorstellungen gefragt. Sie kannte das Einstiegsgehalt ihres Mannes, also schlug sie diese Summe vor. “Die haben mich angesehen, als sei ich wahnsinnig.” Das Gegenangebot des Personalleiters lag 800 Euro unter ihrem Vorschlag, das könne man ja später immer noch steigern, wenn sie eine Weile im Unternehmen sei. ” ,Sie sind ja auch schon 31′, hat der Typ echt gesagt”, ruft P. durchs Telefon. “Klar, dass ich den Job nicht genommen habe. Der Arsch wollte mir weniger Geld geben, weil ich einen Uterus habe!”

So viel zu Kristina Schröders Lösungsansatz, nein: “Lösungsansatz”, der richtige Job führe automatisch auch zum richtigen Gehalt. Das ist genauso kurz gedacht wie einfach nur bessere Kinderbetreuung zu fordern – was Schröder in ihrem Statement zum Equal Pay Day natürlich erwartungsgemäß tat.

Mit dieser Forderung kann man ja nun eigentlich nichts falsch machen. Man kann sie aber im denkbar ungünstigsten Zusammenhang verwenden und so ein schönes Paradoxon produzieren: Der Ausbau der Krippen kommt vor allem deshalb nicht so recht voran, weil es zu wenige Erzieherinnen und Erzieher gibt. Heißt: zu wenige Frauen, die diesen schlecht bezahlten Job machen wollen. Nach Schröders Logik ist aber jede Frau klug, die diesen Job nicht macht und dazu beiträgt, die Gehaltslücke zu schließen.

Was wirklich helfen würde: Erziehungsberufe als Universitätsabschlüsse anbieten, was übrigens in der DDR Standard war. Führt zu höheren Löhnen für die Erzieherinnen. Führt zu mehr Interesse an dem anstrengenden Job. Führt zu schnellerem Ausbau der Kinderbetreuung. Führt auch zu mehr männlichem Personal in den Krippen und Kindergärten, weil Männer statistisch gesehen mehr auf das Einkommen eines Berufes achten. Führt bei Müttern zu kürzeren Ausfallzeiten wegen fehlender Krippenplätze und zu weniger Druck, wegen mieser Kita-Öffnungszeiten Teilzeit arbeiten zu müssen.

Führt aber vermutlich für einen Tag wie den Equal Pay Day, an dem sich eine Familienministerin auch einfach mal mit allgemeinem Blabla an die Wählerinnen wenden will, zu weit.

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(Kolumne ursprünglich erschienen in der Taz vom 11. Oktober.)

Freundin P. spricht am Telefon wirr: “Ich habe heute mein Kind in einer Krippe angemeldet.”
Freundin P. ist kinderlos.
“Welches Kind denn?”, frage ich sie. “Das Kind, das ich nächstes Jahr bekomme”, sagt sie.
Hat mir meine beste Freundin gerade mitgeteilt, dass sie schwanger ist? Und wenn sie jetzt schon einen Krippenplatz hat, in welchem Monat ist sie dann? Im vierten? Wo ist der Bauch?
“Herzlichen Glückwunsch?”, sage ich. “Freust du dich?”

“Total”, sagt Freundin P. und schaltet dann trotzdem in den Fluch-Modus: “Aber die Arschgeigen in der Politik gehen mir jetzt erst recht auf den Zeiger. Ich meine, ich melde mein Kind jetzt an, damit es in anderthalb Jahren eventuell einen Krippenplatz kriegt. Haben die noch alle Tassen im Schrank?”

Ich überlege, ob ich Freundin P. sagen soll, dass unsere Familienministerin Kristina Schröder erst neulich wieder in einem Interview gesagt hat, sie sei sehr zuversichtlich, wenn es ab 2013 erst einmal für jedes dritte Kleinkind einen Krippenplatz gäbe, sei die Welt in Ordnung, weil: der Bedarf gedeckt. Nein. Ich behalte diese Information mal lieber für mich. Ich will nicht, dass P.s Kind jetzt schon zu viel vorgeburtlichem Stress ausgesetzt wird. Es wird es im Leben mit seiner politisch radikalen Mutter eh mal schwer genug haben.

Lieber setze ich auf Deeskalation: “Weißt du, der Ude hat neulich gesagt, er wolle, dass in München viel schneller viel mehr Plätze geschaffen werden. Er glaubt, dass es locker einen Bedarf für über vierzig Prozent der Kleinkinder gibt.”

Und ich glaube, der Münchener Oberbürgermeister hat recht. Die Ansprüche werden mit dem Angebot steigen. Meine Mutter zum Beispiel erzählte mir mal, dass sie sich zu Ostzeiten unendlich darüber aufregen konnte, ihre Kinder schon sechs Wochen vor dem gewünschten Eintritt in eine Kinderkrippe dort anmelden zu müssen. Sechs Wochen! Was für eine Frechheit.

Aber Kristina Schröder regiert ja überhaupt mit einer latent realitätsverweigernden Art, da kann sie auch ignorieren, dass schon jetzt immer mehr westdeutsche Eltern ihr Misstrauen Krippen gegenüber ablegen. Bisher lebt der Mythos von der Mutter-Kind-Symbiose im Westen doch vor allem deshalb weiter, weil es viel zu wenige Betreuungsangebote gibt. Und so lange Krippen immer nur das Andere, das Fremde sind, kann man auch weiter den Heimkinder-Studien glauben, die “fremdbetreuten” Kindern große emotional Defizite attestieren. Heimkinder! Die beweisen sollen, dass eine Mutter am besten drei Jahre lang 24 Stunden bei ihrem Kind bleibt. Selten hat sich eine so plumpe Interpretation – ich würde sogar sagen: Manipulation – so lange als Tatsache gehalten.

“Dann soll sich dein Ude mal beeilen. Wenn ich nämlich keinen Krippenplatz kriege, werde ich Rabatz machen”, droht die Freundin. Ich wünschte, der rechtliche Anspruch auf einen Krippenplatz würde schon 2012 in Kraft treten. Dann könnte ich nämlich miterleben, wie Freundin P. zu Höchstform auflaufen würde: Elterninitiative, Verfassungsklage, Interviews zu den Gerichtsterminen. Ein Fest würde das werden. Ich hoffe, sie kriegt noch ein zweites Kind.

“Wann ist eigentlich der Geburtstermin?”, frage ich sie.
“Mitte Juni.”
“Das heißt, du bist jetzt …”
“In der fünften Woche.”

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