(Diese Kolumne erschien zuerst in der Taz vom 2. Januar.)
Jetzt sind sie wieder da, die Abnehmvorsätze. Wie jedes Jahr. Immer wieder die gleichen ganz und gar unerfreulichen Szenen: Freundinnen und manchmal auch nur entfernte Bekannte kneifen sich in den Hüftspeck oder klopfen auf gewölbte Bäuche und erzählen, es müsse in den kommenden Wochen kürzergetreten werden. Ich versuche dann mitfühlend zu schauen, aber meistens gelingt es mir nicht. Ich will mit diesem Quatsch einfach nur in Ruhe gelassen werden, und ich fürchte, das merkt man mir an.
Allein schon gute Vorsätze nerven, weil jeder weiß, dass sie doch nicht eingehalten werden. Und Diätpläne nerven noch mal extra, weil ihre Existenz bedeutet, dass wieder eine Frau im neuen Jahr ihre Zeit und Energie aufs Abnehmen und Schönsein verschwendet. Ich wünschte, auch nur drei Frauen würden mir von ihrem guten Vorsatz erzählen, sich endlich besser durchzusetzen, sich politisch zu engagieren oder vom Chef mehr Geld zu fordern. Stattdessen: Zwei Kilo weniger, öfter zum Sport, weniger Zucker und Alkohol. Laaaangweilig!
Dabei sind Frauen nicht weniger ehrgeizig als Männer, auch wenn gern so getan wird. Allgemein wird von Frauen Bescheidenheit erwartet und Ehrgeiz wird oft mit giftigen Sprüchen – von Männern wie von Frauen oder sogar: vor allem von Frauen – kommentiert. Eine Frau, die offen zugibt, erfolgreich sein zu wollen, Macht haben zu wollen, einen gut bezahlten Job mit Einfluss, ist vielen Menschen immer noch suspekt. Mannweibalarm.
Die meisten Frauen sagen deshalb gern, Macht und Ehrgeiz seien nicht erstrebenswert, ja sie gehen noch weiter und behaupten, beides versaue den Charakter. Nur lässt sich so eine natürliche Regung nicht einfach wegreden. Wohin also damit? Da Frauen vor allem immer noch an ihrem Äußeren gemessen werden und sich selbst gegenseitig daran messen, stecken viel zu viele ihren verleugneten Ehrgeiz in Figur und Aussehen. Sie planen Diäten so akribisch wie Männer ihre nächsten Karriereschritte. Sie stecken so viel Geld in Kosmetikprodukte, wie Männer für Statussymbole ausgeben, und verbringen so viel Zeit mit ihrer Körper- wie Männer mit der Kontaktpflege.
Es geht ihnen immer wieder darum, sich zu optimieren und sich “im Griff” zu haben, unter Kontrolle. Bloß nicht zu viel essen!
Zwischendurch darf zwar auch mal mit ein paar Plätzchen “gesündigt” werden, aber dann bitte auch baldmöglichst die Weihnachtskilos wieder abstrampeln! Diese Optimierungssucht, den ständigen Drang, die Dinge verändern und verbessern zu können, ließe sich ziemlich gut und selbstbewusstseinsfördernd in anderen Bereichen, im Beruf, in der Politik oder im Vereinsleben einbringen. Der Kampf gegen noch so jede kleine “Problemzone” des eigenen Körpers führt dagegen einfach nur zu Essstörungen. Und zu Selbsthass.
Während der Weihnachtsfeiertage blätterte ich mit meiner Mutter durch alte Fotoalben. Mama im knappen Kleid in den Sechzigern, Mama am Strand in den Siebzigern, Mama in Röhrenjeans in den Achtzigern. Sie sah die Bilder an und sagte: “Mann, sah ich gut aus. Wenn ich daran denke, wie oft ich mich zu dick fand, wie viele Diäten ich im Laufe der Jahre gemacht habe. Was für eine Zeitverschwendung!”
Kluge Mutter.
Schönes Neues!




Du hast absolut recht. Ich denke auch gerade an all die Jahre zurück, als ich mich genauso dick fand wie jetzt- nur hatte ich da viel weniger auf den Rippen… die Selbstwahrnehmung war bei mir, wie bei vielen anderen Frauen- immer auf etwaige Makel gerichtet.
hm, ich hab auch noch nie verstanden warum sich Frauen so vielle gedanken darüber machen ob sie nun zwei kilos mehr oder weniger auf den rippen haben. Solange man gesund und fit ist, solte es doch eigentlich egal sein wie viel die wagge anzeigt. ich habe mir zwar auch für dieses jahr vorgenommen mehr auf meine ernährung zu achten, damit ich gesünder und mit mehr energie durch denn altag komme, trotzallem würde ich das nicht als diät bezeichnen. mein vorstaz für das neue jahr lautete: ich werde mich nicht mehr von anderen davon abhalten lassen meinen weg zu gehen. ich weiss das ich alles schafen kann, wenn ich das nur wirklich will und wenn ich mich dafür als mannsweib bezeichnen muss, dann ist mir das auch egal.